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Zwischen Anspruch und Realität: Eventus-Referentin Ines Gillmeister spricht beim BEA Pankow über Neurodivergenz, Inklusion und Teilhabe in Schulen und Kitas

Wie gelingt Inklusion für neurodivergente Kinder im Schulalltag? Und was braucht es, damit Kinder mit unterschiedlichen Wahrnehmungs-, Lern- und Entwicklungsweisen wirklich teilhaben können?

Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Sitzung des Bezirkselternausschusses der Pankower Schulen am 29. April 2026 im BVV-Saal Pankow. Auf Einladung des BEA Pankow sprach Ines Gillmeister, Referentin für Neurodivergenz und Inklusion bei der eventus Bildung gGmbH und Leitung unserer Kita „Die Spatzen“, über die Situation neurodivergenter Schülerinnen und Schüler im Berliner Schulsystem.

Neurodivergenz beschreibt unterschiedliche neurologische Entwicklungs-, Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweisen, etwa bei Autismus, ADHS, FASD, Wahrnehmungsbesonderheiten oder Sprachverzögerungen. Der Begriff macht deutlich: Kinder lernen, kommunizieren und reagieren unterschiedlich. Entscheidend ist deshalb, ob Bildungsorte passende Rahmenbedingungen für Teilhabe schaffen.

Zwischen Anspruch und Realität

In ihrem Vortrag mit dem Titel „Zwischen Anspruch und Realität“ machte Ines Gillmeister deutlich, dass zwischen dem Anspruch inklusiver Bildung und der Umsetzung im Schulalltag häufig eine spürbare Lücke besteht. Viele neurodivergente Schülerinnen und Schüler sind zwar formal im System angekommen, können unter den bestehenden Bedingungen aber nicht immer gut lernen, sich sicher entwickeln oder ihre Stärken zeigen.

Zu den Herausforderungen zählen u. a. hohe Reizbelastung, unklare Abläufe, soziale Anforderungen, Leistungsdruck, große Klassen, knappe personelle Ressourcen und begrenzte Zeit für individuelle Begleitung.

Ein zentraler Gedanke des Vortrags war daher der notwendige Perspektivwechsel im Umgang mit Verhalten. Verhalten sollte nicht vorschnell als „Störung“ oder „Problem“ des Kindes verstanden werden. Häufig ist es vielmehr ein Hinweis darauf, dass Barrieren bestehen: im Raum, in der Kommunikation, in Tagesstrukturen, in Erwartungen oder in nicht ausreichend angepassten Rahmenbedingungen.

Barrieren erkennen, Teilhabe ermöglichen

Barrierebewusste Beschulung bedeutet nicht, Kinder möglichst reibungslos an bestehende Strukturen anzupassen. Vielmehr geht es darum, Schule so zu gestalten, dass Barrieren erkannt, ernst genommen und reduziert werden.

Dazu gehören klare und vorhersehbare Abläufe, verständliche Kommunikation, reizreduzierte Lernumgebungen, verlässliche Bezugspersonen, Möglichkeiten zur Selbstregulation und konkrete Absprachen im pädagogischen Team. Entscheidend ist, ob Maßnahmen im Alltag tatsächlich wirksam, verbindlich und bedarfsgerecht umgesetzt werden.

Inklusion gelingt dort besser, wo nicht nur das Verhalten eines Kindes bewertet wird, sondern auch die Bedingungen des Systems hinterfragt werden: Welche Anforderungen stellen wir? Welche Barrieren entstehen durch unsere Strukturen? Was können wir konkret verändern?

Auch unter schwierigen Rahmenbedingungen können kleine, bewusste Anpassungen viel bewirken, vorausgesetzt, Teams entwickeln eine gemeinsame Haltung, treffen klare Absprachen und nutzen vorhandene Spielräume.

Warum das Thema über Pankow hinaus relevant ist

Dass der BEA Pankow den Abend dem Thema Neurodiversität gewidmet hat, zeigt, wie präsent Fragen von Inklusion, Unterstützung und Teilhabe an Pankower Schulen sind. Zugleich steht Pankow exemplarisch für eine Herausforderung, die Schulen berlinweit und darüber hinaus betrifft: Neurodivergente Kinder und Jugendliche bringen vielfältige Stärken mit und benötigen zugleich klare Strukturen, Verlässlichkeit sowie ein Umfeld, das ihre Wahrnehmung ernst nimmt.

Im Anschluss an die Gesamtveranstaltung führte Ines Gillmeister mehrere Gespräche mit Teilnehmenden. Dazu gehörten Lehrkräfte verschiedener Schulformen, betroffene Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter sowie weitere Akteurinnen und Akteure aus dem schulischen Umfeld. Auch der Pankower Stadtrat sowie das Schul- und Sportamt waren vor Ort.

In den Gesprächen ging es unter anderem um konkrete Beispiele aus der schulischen Praxis. Im Mittelpunkt standen dabei immer wieder Barrieren im Schulsystem und die Frage, wie diese erkannt, verstanden und bearbeitet werden können. Auch der Umgang mit herausfordernden Situationen im Alltag und die Suche nach passenden Unterstützungsansätzen spielten eine wichtige Rolle.

Der Austausch machte deutlich, dass es Bedarf an fachlicher Einschätzung, Begleitung und praxisnaher Unterstützung gibt. Eine Schule aus Pankow erwägt, mit eventus Bildung Kontakt aufzunehmen, weil sie Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung eines Inklusionsprojektes wünscht. Dies zeigt, dass Schulen nicht nur über Herausforderungen sprechen, sondern auch nach konkreten Wegen suchen, inklusive Praxis weiterzuentwickeln.

Die Verbindung zur Kita „Die Spatzen“

Die fachliche Perspektive, die Ines Gillmeister beim BEA Pankow eingebracht hat, ist eng mit ihrer Arbeit bei eventus Bildung verbunden. Als Leitung unserer Kita „Die Spatzen“ und als Referentin für Neurodivergenz und Inklusion bringt sie ihre Expertise besonders an der Schnittstelle zwischen frühkindlicher Bildung und Schule ein.

Die Kita „Die Spatzen“ in Berlin-Pankow ist eine inklusive Kindertagesstätte mit Schwerpunkt Neurodivergenz. Kinder mit und ohne Diagnose werden dort individuell, beziehungsorientiert und entwicklungsfördernd begleitet. Auch Kinder mit neurodivergenten Besonderheiten wie Autismus, ADHS, FASD, Wahrnehmungsbesonderheiten oder Sprachverzögerungen finden hier einen sicheren und bestärkenden Raum.

Ein besonderer Fokus liegt auf klaren Strukturen, verlässlichen Beziehungen, reizarmer Gestaltung, kleinen Gruppen und individueller Begleitung. Der Übergang zur Schule wird intensiv vorbereitet: Die Kinder werden bis zum Schuleintritt aufmerksam begleitet, ihre Stärken und Unterstützungsbedarfe werden wahrgenommen, Familien partnerschaftlich einbezogen und Kooperationen mit umliegenden Grundschulen gepflegt.

So wird früh sichtbar, wie wichtig ein gemeinsames Verständnis von Kita, Familie und Schule ist. Wenn Unterstützungsbedarfe früh erkannt, Übergänge sorgfältig gestaltet und Informationen verantwortungsvoll weitergegeben werden, kann der Schulstart für Kinder, Familien und Schulen deutlich entlastender gelingen.

Inklusion braucht Zusammenarbeit

Der Vortrag beim BEA Pankow hat gezeigt: Inklusion ist kein einzelnes Konzept und keine einmalige Maßnahme. Sie ist ein fortlaufender Prozess, der Haltung, Fachwissen, Reflexion und Zusammenarbeit braucht.

Für eventus Bildung ist diese Arbeit ein zentraler Bestandteil pädagogischer Verantwortung. In der Kita „Die Spatzen“, in Beratung und Fortbildung sowie im Austausch mit Schulen setzen wir uns dafür ein, dass neurodivergente Kinder früh gesehen, verstanden und gestärkt werden.

Denn echte Teilhabe entsteht dort, wo Bildungseinrichtungen sich fragen, was Kinder brauchen, und wo Systeme bereit sind, sich weiterzuentwickeln.

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